Vario-ND-Filter
Ein Vario-ND ist ein Graufilter, dessen Stärke sich am Ring verstellen lässt, meist von zwei bis fünf oder von sechs bis neun Blendenstufen. Statt drei Filtern liegt einer im Rucksack. Dafür macht er Dinge, die ein fester Filter nicht macht.
Stunden : Minuten : Sekunden : Millisekunden
Wie er funktioniert
Im Inneren sitzen zwei Polarisationsfilter hintereinander. Dreht man den vorderen, verschiebt sich ihre Ausrichtung gegeneinander und es kommt weniger Licht durch. Das ist derselbe Effekt, mit dem ein Polfilter Spiegelungen löscht – nur hier als Dimmer benutzt.
Daraus folgt alles Weitere: Ein Vario-ND ist technisch kein Graufilter, sondern ein Polfilter-Paar. Er nimmt also auch Spiegelungen weg, ob man das will oder nicht.
Die drei bekannten Probleme
- Kreuzmuster am Anschlag: Dreht man bis zum Ende des Stellbereichs, entsteht bei weitwinkligen Objektiven ein dunkles X über dem Bild. Die Lösung ist kein besserer Filter, sondern eine Stufe weniger – die letzte halbe Umdrehung ist bei den meisten Modellen unbrauchbar.
- Farbstich, der mit der Stärke wandert: Bei einem festen ND ist der Stich konstant und einmal korrigierbar. Beim Vario-ND ändert er sich mit der Einstellung, was eine Serie uneinheitlich macht. Für eine Aufnahmereihe lieber eine Stellung wählen und dabei bleiben.
- Weniger Schärfe an den Rändern: Zwei zusätzliche Glasschichten plus Luftspalt kosten Auflösung, vor allem außen. Bei günstigen Modellen ist das sichtbar, bei teuren messbar.
Wann er trotzdem die bessere Wahl ist
- Video: Die Verschlusszeit ist durch die 180-Grad-Regel festgelegt, das Licht wechselt – nur der Filter kann nachgeben. Das ist der Einsatz, für den Vario-NDs gebaut wurden.
- Unterwegs mit einem Objektiv: Wer wandert und das Gewicht zählt, tauscht drei Filter plus Step-Up-Ringe gegen einen. Für Fotos im Sekundenbereich reicht die Qualität guter Modelle.
- Wenn die Stärke vorher unklar ist: Am Wasser entscheidet oft erst der Blick durchs Display, ob eine halbe oder eine ganze Sekunde besser aussieht. Stufenlos ist dabei schneller als wechseln.
Wann ein fester Filter gewinnt
Bei Langzeitbelichtungen über eine Minute. Dort zählt jede optische Schwäche doppelt, der Farbstich steht lange im Bild, und das Kreuzmuster liegt genau in dem Stellbereich, den man dafür bräuchte. Für zehn Stufen und mehr ist ein einzelner ND1000 die saubere Lösung.
Auch beim Stapeln ist ein Vario-ND der falsche Partner: Zwei Polfilterpaare hintereinander ergeben Muster, die niemand vorhersagen kann. Wer kombinieren will, nimmt feste Filter.
Für Video ist der Vario-ND das richtige Werkzeug, für kurze Fotos ein bequemes. Für echte Langzeitbelichtung ist er es nicht. Wer beides macht, fährt mit einem Vario-ND für den Alltag und einem festen ND1000 für das Stativ am besten.
Alle Werte stehen in der ND-Filter-Tabelle, häufige Fragen beantwortet das FAQ, und Welcher ND-Filter? führt vom Motiv zur Blendenstufe.